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Filmkritik

Der Nachtportier

Spielfilm von 1973 (Großbritannien/Italien) mit Charlotte Rampling und Dirk Bogarde in den Hauptrollen.
Regie: Liliana Cavani.

Zu diesem Film gibt es auch ein Essay
von SMash-Redakteur Thomas H.

 
Nachtportier Die Haupthandlung spielt in Wien im Jahre 1957. In einem Hotel steigt eine schöne, junge Frau ab und erregt die Aufmerksamkeit des Nachtportiers. Er erkennt in ihr das Mädchen wieder, mit dem er in seinem „vorherigen Leben“, das nun ein streng gehütetes Geheimnis ist, eine Liebesaffäre besonderer Art hatte: Er war damals KZ-Wächter, sie eine der Gefangenen.
 
Auch sie erinnert sich und nimmt die leidenschaftliche Beziehung zu ihm wieder auf. Sie kommt mit in seine Wohnung, trägt für ihn wieder das selbe Kleid wie damals und spielt wieder das Mädchen, das ihm bedingungslos ausgeliefert ist.

Die Zweisamkeit ist jedoch plötzlich gefährdet, als seine alten SS-Kameraden von dieser Begegnung Wind bekommen. Die unverhofft auftauchende Zeugin ihrer aller Vorleben stellt eine massive Gefahr für sie dar und muß daher beseitigt werden. Der Nachtportier wird beauftragt, das zu erledigen. Er weigert sich jedoch und versucht, sich mit ihr in seiner Wohnung zu verbarrikadieren. Als sich das auf die Dauer als sinnlos erweist, sieht das Paar nur noch eine Lösung ...

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Kommentar:
 
Der Film zeichnet in schwermütigen, aber auch ungemein sinnlichen Bildern ein intensives Spiel um Macht und Sexualität in einer widrigen Umgebung nach, und zwar sowohl in der Gegenwart des Jahres 1957 als auch in Rückblenden. Dabei beeindruckt insbesondere Charlotte Rampling, während Dirk Bogarde als der eigentlich Mächtigere meiner persönlichen Meinung nach oft eher steif und verklemmt wirkt. Dafür bringt er gegen Ende des Films sehr gut die Verzweiflung rüber, mit der das Paar versucht, noch etwas mehr Zeit für das Ausleben ihrer Obsession zu gewinnen.

Nachtportier
Neben dem unmittelbaren sinnlichen Genuß bietet dieser Film auch sehr viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren. In den 70er Jahren war er ein Skandal. Es galt als ungemein obszön, in dieser Weise die Leiden der KZ-Opfer für einen reißerischen Stoff auszubeuten. Von Kennern der Verhältnisse, z. B. ehemaligen echten KZ-Aufsehern, wurde eingewandt, daß solche Beziehungen streng verboten waren und zumindest bei Beteiligung jüdischer Gefangener als „Rassenschande“ bestraft worden wären. Trotzdem läßt sich nicht bestreiten, daß die Geschichte plausibel ist.

Deshalb wirft sie auch Fragen auf, die sich nicht nur auf die damalige Zeit und Situation beschränken, sondern sich immer wieder neu stellen. Aus heutiger SM-Sicht kann man zumindest akzeptieren, daß eine derartige Beziehung überhaupt möglich ist. Selbst das war in den 70er Jahren noch ein Problem.

Aber offen ist z. B. auch heute noch die Frage, ob eine Beziehung unter solchen Zwangsbedingungen eine freiwillige sein kann und ob andererseits überhaupt jemand außer den Betroffenen das beurteilen kann. In dieser Geschichte scheint es ja im KZ so gewesen zu sein, denn sonst hätte die Beziehung in den 50er Jahren auf dann jedenfalls eindeutig freiwilliger Basis nicht fortgeführt werden können.

Übrigens verzichtet der Film völlig darauf, die Greueltaten in den KZs oder andere Nazi-Verbrechen in irgendeiner Weise darzustellen, sondern beschränkt sich in den Rückblenden ganz auf das Paar. Dadurch unterscheidet er sich deutlich von einem anderen Film, der die Bereiche SM und Faschismus verbindet, Pasolinis „Salo — Die 120 Tage von Sodom“ nach einem Roman des Maquis de Sade. Doch dazu mehr in einer späteren Filmkritik.

 eMail an den Autor.

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Zuletzt geändert am 28. November 2004.
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