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Filmkritik

Die Klavierspielerin

Nach dem gleichnamigen Roman von Elfriede Jelinek.
Österreich, Deutschland 2001. Buch und Regie: Michael Haneke.
Darsteller: Isabelle Huppert, Benoit Magimel, Annie Girardot.

Eine Rezension aus sadomasochistischer Sicht. Von Thomas H.

Kapitelübersicht:

•Zusammenfassung
•Ihr Sex, 1. Episode: Beim Blasen zugucken
•Ihr Sex, 2. Episode: Live zugucken und stören
•Ihr Sex; 3. Episode: Die strikte Bläserin
•Ihr Sex, 4. Episode: Die Offenbarung — Erikas Forderungskatalog
•Ihr Sex, 5. Episode: Das Desaster
•Erikas Tick mit dem Zweck für ihren Kick
•Stören, provozieren und diktieren — Pfusch oder Masche?
•Das fatale Zusammenspiel der Spielverderber
•Resümee
•Disclaimer

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Zusammenfassung:

Große Literatur und Starbesetzung sind der zur Zeit anspruchsvollste filmische Rahmen für das gefährliche Fehlverständnis, wonach die Sehnsucht nach Schmerz und Unterwerfung ein Resultat gestörter Familienbeziehungen und Bestandteil selbstschädigender Umstände von Lebensführung sind.

Die Protagonistin des Films „Die Klavierspielerin“ führt, wie zu zeigen sein wird, ein ganzes Bündel von durchaus diskutierbaren SM-Sex-Ideen ins Feld, um — der fatalen Beziehungsklammer ihrer Mutter zu entweichen. Das geht leider schief und muß es auch. Mag sein, daß SM hier gewollt wurde, doch zu einem Zweck, den kein Sex der Welt und auch der schärfste SM-Sex nicht leisten kann. Also geht alles schief, daneben und furchtbar aus. Auch schöne Bilder gibt’s keine. No Sex, no fun, no happy end. Reinster Kulturgenuß also.

 
Klavierspielerin
© 2001 Wega Film
„Die Klavierspielerin“ Erika Kohut, in Michael Hanekes Verfilmung des gleichnamigen Elfriede-Jelinek-Romans dargestellt von Isabelle Huppert, lebt mit Ende Dreißig unter der schikanösen Fuchtel ihrer Mutter, welche ihr alles mißgönnt und vergällt, was nicht sie, die Mutter, sich für sie, die Tochter, ausgedacht hat.
Diese Attitüde reicht die Tochter unter Mißbrauch von klassischer Klaviermusik als Lehrerin an ihre ehrgeizigen oder elterlich genötigten ElevInnen weiter. In mißgünstig-gehässiger Strenge schurigelt Erika Streber wie Schwärmer. Interessant zu sehen, wie sie nichts auskosten kann, sondern nur spröde-schroff genervt abkanzelt. Was Talent ist, bestimmt sie, und wo sie es nicht bestreiten kann, da beanstandet sie eben einen Mangel an Anarchie bei einem wirklich untadelig gestriegelten Adepten, den diese Anforderung auch völlig aus dem Häuschen bringt. Ihre ganze Strenge steht im Dienst zuverlässiger Freudlosigkeit; ihr Scharfsinn stellt Fallen, gräbt Gruben und schießt ab.

Soweit, so traurig.

Eigenen Interessen — Eifersucht darf sein — geht Madame, wo erforderlich, auch mit Anschlägen nach. So läßt sie die Finger einer Frau, die sie für eine Rivalin hält, in tückisch plazierte Glasscherben fahren und läßt uns so wissen, welch böse-kreatives Talent ihrer asketischen Misanthropie auch zu Gebote steht, wenn es denn mal sein muß.

Soweit, so kriminell!

Nach alldem ist Mann wenig motiviert, sich noch für das Sexualleben einer solchen Person zu interessieren. Antworten liefert jedoch ungefragt die weitere Handlung:

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Ihr Sex, 1. Episode: Beim Blasen zugucken

 
In der Pornokinokabine
fällt Erikas Wahl auf ein filmisches Blow-Job-Angebot. Großaufnahme, eine Frau rücklings auf einem Tisch liegend, in einer Position also, die ihr gestattet, auch größere Stücke bei geübtem Halsröhreneinsatz a la „Deep Throat“ verschwinden zu lassen. Dieses Anblicks teilhaftig tröstet sich Madame am Duft der Ejakulate
Klavierspielerin
© 2001 Wega Film
in herumliegenden Masturbationspapiertüchern. Blow-Jobs zu voyeurisieren macht sie also wohl an, läßt uns die Handlung wissen.

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Ihr Sex, 2. Episode: Live zugucken und stören

In einem Autokino streunt sie zwischen den Fahrzeugen umher auf
der Suche nach den typischen Signalen einer ortsüblichen Rückbank-Inanspruchnahme. Fündig geworden hält sie inne, voyeurisiert und uriniert. Dabei provoziert sie ihre Ertappung durch den Schrittmacher des Rückbankduos mitten in seiner Schwerstarbeit, und raubt seiner Partnerin erfolgreich dessen Aufmerksamkeit.

Dabei überschreitet sie die Grenzen jedes Voyeurgenusses in Richtung eines ExhibitionistInnen-Treibens. Und Erika geht noch weiter: Sie stört. Sie stört ein Spiel, sie verdirbt ein Spiel. Egal, wie es in diesem Augenblick um ihre Lust bestellt sein mag: Sie handelt spielverderbend, schädigend. Dieses Verhalten liegt analog näher an ihrem Glasscherbenanschlag als an ihrem Blow-Job-Kick. Bei jeder well-policed SM-Party würde sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden, womöglich rausfliegen. Im Film entkommt sie knapp dem ge- und verstörten Rückbank-Rackerer, der naturgemäß durch seine situationsbedingt unpassend sitzenden Beinkleider beim Spurt gehandicapt ist.

Unklar bleibt, worauf Erika Kohut es mit solchen Aktionen absieht. Will sie gestellt und verprügelt werden, aus Zorn und Rache gefickt werden, vielleicht in den Mund? Oder will sie den Triumph, zu entkommen? Es bleibt an dieser Stelle Spekulation.

Weiter geht’s mit der Handlung. Klemmer, ein Eleve, verknallt sich romantisch in sie. Ein zäher Sonnyboy, an dem alle ihre trickreichen Abwimmelungsversuche abperlen wie Fett an Teflon.

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Ihr Sex; 3. Episode: Die strikte Bläserin

Showdown in der Damentoilette. Klemmers Liebkosungen Erikas Torsos, sein kühnes Freiblättern ihres Schoßes, all die wacker-virile Vanilla-Mühe versagt an ihrem Lustzentrum. Sie nimmt die Dinge in die Hand, um sie in den Mund zu nehmen. Mit gebieterischer Verletztheit toppt sie von unten: sagen darf er kein Wort und nicht im Ansatz nett sein zu ihr. Seine „Fehler“ bescheren ihm nicht nur nölige Blaspausen sondern auch augenscheinlich schmerzhafte Mündlichkeiten an seinem Instrument (diese Szene ist auf dem Filmplakat und dem Taschenbuch-Umschlag abgebildet).

Bei einer späteren Aktion soll es wohl besser werden mit dem Blasen: Sie verfolgt ihn nervig, bis die Lage schließlich für die beiden „blasefähig“ ist. Die Situation wäre nicht schlecht für eine beherzte Nummer; würden sich nur die Protagonisten etwas besser verstehen. Prompt geht es schief: sie kotzt sich die Seele aus dem Leib. Wie eine Stümperin, die den Mund zu voll genommen hat, liegt sie da. Aber es macht den Eindruck, als fühle sie sich nicht so schlecht wie die Figur, die sie dabei macht, aussieht; fast triumphierend schreitet sie davon und er bleibt zurück mit Triebkopfbrand. Welches Geheimnis hat dieser Triumph bei ihr? Wieder hat sie ein Spiel verdorben, wieder ist sie, nach Macker-Moral, reif für eine Abreibung, wie bei ihren Autokino-Eskapaden.

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Ihr Sex, 4. Episode: Die Offenbarung — Erikas Forderungskatalog

Ihre Auflösung schreibt sie in einen Brief an ihren inzwischen reichlich verwirrten Liebhaber (S. 216 ff. in der Taschenbuchausgabe des Romans). Es handelt sich um eine Reihe von Ideen, die im Prinzip auch in passablen SM-Spielen ihren Platz haben könnten. Einige safety-bedingte Einschränkungen und einige Einübung wäre gerade für sie als Novizin wohl empfehlenswert; wir hatten ja schon beim Blow-Job gesehen, wie unschön Ungekonntes enden kann; doch ein echtes Problem liegt woanders:

Problematisch ist, daß Madame die Verwirklichung ihrer masochistischen Vorstellungen für tauglich hält, praktische Lebensleiden zu lindern. Erikas masochistisches Drehbuch verlangt nach einem hochdisziplinierten Sparring-Partner, der sie aus der mütterlichen Umklammerung, in der sie darbt, herausboxen soll. Von ihrem Märchenprinzen und „ihrem SM“ erwartet sie einen familienbeziehungswirksamen Befreiungsakt, zu dem sie sich selbst, warum auch immer, nicht durchringen kann und/oder will.

Solch eine „Hol-mich-hier-raus-Dramaturgie“ ist einerseits erotisch trivialpopulär und kommt in jedem zweiten Heimatfilm vor. Auch als SM-Phantasie mag sie goutieren, wer sie halt mag. In der Handlungs- und Figurenkonstruktion der „Klavierspielerin“ jedoch liegen die Dinge anders und kommen auch anders.

Statt eines familiensystemischen Zauberprinzens hat sie sich einen jugendlichen Lover eingefangen, der, genervt und überfordert, ihren Drehbuchtext vergeblich nach einer Belohnung für ihn durchforstet. Ihr, der Musikpädagogin, entgehen diese alarmierenden Mißtöne, deutliche Signale seiner mangelnden Heldeneignung, komplett.

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Ihr Sex, 5. Episode: Das Desaster

Dementsprechend geht alles schief. Klemmer boxt Erika nicht heraus, sondern schlägt sie zusammen. Statt sich aus der Umklammerung ihrer Mutter durch einen schwarzen Prinzen herausgeraubt zu finden, treffen seine höhnisch-bösen Nackenschläge sie gerade dort, wo sie sozial-personale Unterstützung im Sinne einer strict caring dominance sucht. Schließlich verzweifelt sie über das Unverständnis, das er ihrer Fasziniertheit von Schmerz und Demütigung entgegenbringt. Begegnen ihr in seinen Boshaftigkeiten nicht ihr eigner Wunsch, ihr eigener Wille? Macht er denn nicht mit ihr, was sie will?

Am Ende vom Lied hat sie jedenfalls ein Messer in der Brust, von eigener Hand geführt, und ein höhnisch-banausiges Gelächter von ihm und dem Chor seiner Kumpels im Ohr.

Ob Erika das noch mal überlebt und dann alles so weitergeht, oder ob damit einfach Feierabend ist, bleibt unklar. Im Kinopublikum murmelt es gruselnd von Störung und nach Therapie und Psychologie. So düster-unklar wie das Ende bleibt, so fraglich-fragwürdig bleibt die Moral von der Geschicht’. Daher im Folgenden ein

Versuch einer „Verfehlungsbilanz“ aus szene-sadomasochistischer Sicht

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Erikas Tick mit dem Zweck für ihren Kick

 
Klavierspielerin
© 2001 Wega Film
„Die Klavierspielerin“ sucht nicht, wie so viele, nach „Ursachen“ für ihr Begehren (was in der Regel nur einfach nicht weiterführt) — sie begeht einen echten Fehler, einen ernsten und ausgefallenen: Sie bestimmt ihr Begehren als Mittel zu einem Zweck. Zu einem sympathischen Befreiungszweck zwar,
aber doch zu einem Zweck. Nicht einfach Geilheit, Glück, Ausgeglichen-
heit, oder was auch immer praktizierende SadomasochistInnen als Gewinn ihres Treibens benennen, sondern eine konkrete Befreiung von der unerträglichen Umklammerung durch ihre Mutter verspricht sich die Protagonistin von ihrem Spielvorhaben.

Das aber kann nicht funktionieren. SM ist kein Zauberstab, mit dem die Menschen Probleme gelöst bekommen, vor deren Lösung sie ansonsten zurückscheuen. Das ist Mißbrauch von SM, Mißbrauch von Sexualität und kann nicht gutgehen.

Pointiert gesagt: SM funktioniert nur als Zweck, nicht als Mittel; nur als Erlös, nicht als Preis. Oft werden die Gefühle aus der Verwirklichung von SM-Sehnsüchten als befreiend beschrieben. Aber auf SM zu setzen, damit eine fatale Beziehungsverstrickung ihren Bann verliert, ist heikel. Nicht zuletzt auch für den betreffenden Partner, der es auf solche Lorbeeren in der Regel ja nicht absieht. Madame aber schlägt ihrem Lover Heimlichkeiten vor, von denen sie sich dort Assistenz erhofft, wo sie den aufrechten Gang scheut. Dafür aber sollte unser Sexleben bei aller Begeisterung nicht in Anspruch genommen werden. Das geht wohl eher schief.

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Stören, provozieren und diktieren — Pfusch oder Masche?

 
Sie übergibt sich beim Blasen, scheucht Leute auf beim Voyeurisieren und hält ihr Spiel für diktierfähig (und in seinem Ergebnis für einfach so kalkulierbar). Wenn das alles nur Pfusch wäre, dann gäbe es für Erika eine Menge spannender Dinge zu lernen: Praktiken wie das Blasen (schön üben!), Partner und RollenKlavierspielerin
© 2001 Wega Film
finden für Voyeur- und Exhibitionsspiele und überhaupt, Absprachen treffen, Einvernehmen finden, Rückmeldung geben, ehrlich sein, fair bleiben; so viel gäbe es da noch zu tun für sie.

Wenn das alles eine Masche ist, wenn zu stören, zu provozieren und zu diktieren nicht einfach auf ihr Unvermögen zu Besserem zurückgehen, sondern von ihr für erforderlich gehalten werden, dann hätte sie ein Glaubensproblem. Denn wenn sie stört, provoziert sie Ärger, wenn sie provoziert, diktiert sie Zurückweisung, wenn sie diktiert, macht sie sich lächerlich. So kommt sie nicht weiter. Die Hoffnung, daß sie auf ihre Provokationen hin genau die herzhafte Zuwendung bekommt, die sie will, ist ein blankes Glücksspiel. So geht es nicht; und nichts geht so gut, wie sie es glaubt.

(Es gibt Leute — es sind sehr wenige, aber es gibt sie — die behaupten, nur echte Regelverletzungen, klare Verstöße gegen Spielregeln, deren Geltungsbereiche sie zu diesem Zweck aufgesucht haben, machten sie an. Soziopathie als Kick. Ein Kapitel für sich, für das hier nicht der Platz ist. Sie suggeriert etwas von so einem Fall, ist aber m.E. keiner davon).

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Das fatale Zusammenspiel der Spielverderber

Klemmer verdirbt Erika Kohut das Spiel nach dem sie verlangt; während sie sich von ihrem Spiel etwas verspricht, was nur sie selbst, nicht aber das Spiel oder ihr Partner leisten kann.

Ob Erikas SM-Verlangen auch unabhängig von ihrem Zweckkalkül Bestand hätte, könnte m.E. erst klar werden, nachdem sie ihre Verhältnisse geklärt hat. Solange die Mutter im Spiel ist und sie sich dieser intim angemaßten Macht nicht erwehren kann, kommt mit ihr keine andere Intimität zustande. Keine sadomasochistische und auch sonst keine. Erst nach einer Lösung von ihrer Mutter kann sie merken, inwieweit sie überhaupt Masochistin ist. Vielleicht ist sie es, vielleicht aber auch nicht.

Die Grausamkeiten und Gemeinheiten, nach denen sie verlangt, sind prinzipiell spielbar. So wie schwarzer Humor für manche Menschen zum Lachen ist. Von ihrem frustrierten Lover aber kriegt sie Bösartigkeiten geliefert, und hier kommt es auf den Unterschied an. Er will sie zurückweisen und vorführen; von ihm aus soll sie erschrecken und umkehren oder zum Teufel gehen. Sie will dagegen keineswegs ein Objekt solcher Belehrungen sein, sondern endlich eine Intimität erleben, die auf ihrer Seite ist; eine, die zwar streng, gemein, aber auf ihrer Seite ist.

Erikas Kick an sich (soweit durch ihren Brief angedeutet) ist anspruchsvoll und sicher nicht einfach zu machen, aber nicht an sich problematisch. Sie will einen Spielpartner, der sich ihr erotisch „herabsetzend zuwendet“, sorgfältig, konsequent, genüßlich, verantwortlich und reflektiert, sogar mit Feedback und Weiterentwicklung nach den Sessions. Einen gewissenhaften Wellness-Kujon. (kujonieren: knechten).

Das alles versteht Klemmer nicht und kann er nicht verstehen. Was er zu verstehen glaubt, hält er für verrückt und schwingt sich zur Maßregelung einer vermeintlichen Verrücktheit auf. Das ist seine Verfehlung. Anstatt angesichts seiner Überforderung das Handtuch zu werfen, versucht er sich immer weiter an ihr und baut immer mehr Mist. Und sie verhält sich erschreckend unkritisch gegenüber seiner Stümperei.

Und so wird das ganze böse, weil er nicht will, daß es gut sei. Erika spürt wohl schon, daß es nicht gut läuft mit ihm, doch sie verwechselt seine Bösartigkeiten mit noch unbeholfenen Vorboten der von ihr ersehnten strengen Grausamkeiten. Er ist ihr gegenüber mißgünstig und wird immer gehässiger, je mehr alles schiefgeht. Während letztlich unklar bleibt, inwieweit sie überhaupt eine Masochistin ist, ist dagegen ziemlich klar, daß er kein Sadist ist. Klemmers Verdienst ist es, recht deutlich zu machen was eigentlich ein Arschloch ausmacht.

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Resümee

Das Werk ist große Literatur und hohe Kunst. Ein kalter Lichtstrahl auf die Masken und Verstrickungen von Anmaßung und Mißbrauch, Lüge und Heuchelei, ein Drama von ausweglos-beklemmender Zwangsläufigkeit (wo es doch auch eine viel schönere Bedeutung für dieses Wort gibt) und Folgerichtigkeit.

Doch eines ist das Werk nicht: Es ist keine Unterrichtung über SM; obwohl die Hauptfigur als Masochistin präsentiert wird und sie ein masochistisches Verlangen formuliert. Das Werk breitet, durchaus grandios, die Verfehlung eines Verlangens vor dem Publikum aus. Jetzt kommt es auf das Publikum an; darauf, daß das es nicht die Verfehlung eines Verlangens zur Verfehltheit eines Verlangens stempelt. Nicht über SM unterrichtet das Werk, sondern darüber, wie es ausgehen kann, wenn SM gesucht und verfehlt wird, auf der Suche nach Intimität.

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Disclaimer

Nicht einbezogen in diese Betrachtung habe ich die selbstverletzerischen Anwandlungen der Protagonistin sowie die inzestuöse Seite der Mutter-Tochter-Beziehung. Ich habe mich ganz darauf konzentriert, zu dem, was in dem Film anmutet wie SM, etwas aus „SM-praktischer“ Sicht zu sagen. Da die Protagonistin frei erfunden ist, stehen auch meine auf sie bezogenen Aussagen unter diesem Vorbehalt. Das hier Gesagte richtet sich vielmehr an Menschen, die in dem Werk „Die Klavierspielerin“ Aufschlüsse über die Möglichkeiten des Sadomasochismus vermuten.

 eMail an den Autor.

Elfriede Jelinek: „Die Klavierspielerin“. Roman.
Rowohlt Taschenbuch Verlag, rororo 5812, ISBN 3 499 15812 4

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Zuletzt geändert am 11. Dezember 2004.
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