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(Luther Burbank, amerikanischer
Biologe, 1849-1926)
 
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Essays

Leben mit einem Vorurteil ...

müssen SadomasochistInnen, wenn sie es mit einer Psychoanalyse-
gläubigkeit zu tun bekommen wie sie Micha Hilgers, Psychoanalytiker aus Aachen, in seinem Artikel „Leben mit einer Bombe“ aus der Reihe „Liebeslust“ der Frankfurter Rundschau Online vertritt.

Eine Presserezension aus sadomasochistischer Sicht. Von Thomas H.

DRUCKVERSION (Schwarzer Text auf weißem Grund)


(Zitate aus dem Originalartikel sind kursiv hervorgehoben.)

»Ob sexuelle Vorlieben Teil einer Perversion« sind, sei je nach der »Funktion der Praktiken« mit Blick auf »die Qualität der Beziehung« zu entscheiden. Mit diesem Arrangement seiner Fragestellung bahnt Micha Hilgers auch schon sein Fehlverständnis von der Qualität einer sadomasochistischen Leidenschaftsdisposition an. Denn es führt kein direkter, funktionaler Weg von irgendeiner sexuellen Vorliebe zur „Qualität“ einer Beziehung. Weil der Frage nach der Beziehungsqualität so nicht nachgegangen werden kann, wird sie zunächst einmal zu einer Frage nach der „Wahrnehmung“ der Partnerperson umgebogen: »Wird der andere als Person mit eigenen Bedürfnissen oder lediglich als Objekt wahrgenommen?«

So verbogen erscheint die Frage zwar besser beantwortbar, aber dies nur zum Preis einer gefährlichen Tücke: Denn ausgerechnet beim Thema Sex und Leidenschaft kann es durchaus geschehen, daß das Bedürfnis einer Person (eine gewisse Zeit lang) darin besteht, unter gewissen szenischen Voraussetzungen lediglich als Objekt wahrgenommen zu werden. Und hierzu bedarf es noch nichteinmal einer besonders exotisch ausfallenden sexuellen Vorliebe. Gerade der „Naturfetisch“ Kopulation fordert von vielen seiner Anhänger geradezu ein ausdrückliches Loslassen des zivilisatorisch so liebgewonnenen Respekts vor den Subjektqualitäten des anderen.

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Micha Hilgers wird das im Kern auch nicht unbekannt sein, denn er schreibt auch: »Liebe ohne ein gewisses Maß an Aggression ist nicht möglich: Werben und Necken, leidenschaftliche Vereinigung und partnerschaftliche Auseinandersetzung kommen ohne konstruktive Aggression nicht aus.«

Nur müßte diese tiefe Einsicht in letzte menschliche Dinge allerdings mit der Abqualifizierungswirkung, die es nach sich ziehen soll, einen Partner „lediglich als Objekt“ wahrzunehmen, konfrontiert werden. Die Überlegung mit der Objekthaftigkeit führt nicht weiter und verkennt vielmehr, welchen Stellenwert eine Sehnsucht nach einem Objektrang auch in nicht-exotischen Kontexten leidenschaftlicher Intimität einnehmen kann.

Vom Augenschein her mag der Anblick sadomasochistischer Praktiken für einen nicht Mitempfindenden möglicherweise objektlastiger wirken. Doch nach dem Augenschein sollte es unter gebildeten Menschen ja gerade nicht nur gehen. „It feels different from what it looks like“ — es fühlt sich anders an, als es ausschaut — schreiben manche US-Paare in die Eingangsseiten ihrer elektronischen Poesiealben. Vielleicht kannten die auch mal einen Psychoanalytiker.

Als weitere Hilfsfrage zur Annäherung an die „Qualität der Beziehung“, für die eine Vorliebe für die eine oder andere Sexpraktik funktional sein soll, bietet Micha Hilgers an, zu fragen: »Wie dauerhaft sind die eingegangenen Beziehungen?« Hierzu ist zu bemerken, daß noch von keiner Sexpraktik herausgefunden wurde, daß sie die Erzielung einer wie auch immer gearteten Wunschdauer einer Beziehung gewährleistet oder auch nur fördert.

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Eine weitere Tücke kommt hier ins Blickfeld: Micha Hilgers diskutiert so grundlegend verschiedene Dinge wie (interpersonalen) Sadomasochismus und episodisch-anonymen Exhibitionismus unter einem gemeinsamen Hut von „Perversionsverdacht“.

Ein episodisch-anonymer Exhibitionismus, der eine szenisch-momentane Befriedigung aus dem, was im Blaulichtmilieu GVZ (Gliedvorzeigen) heißt, bezieht, steht in der Wertung Beziehungsqualität natürlich ganz anders da als Sadomasochismus. So wie Micha Hilgers die beiden Phänomene unter einem einheitlichen Dach von „Perversionsverdacht“ diskutiert, läßt er vom kritischen Beziehungswert des Exhibitionismus etwas auf den Sadomasochismus abfärben. Und das ist natürlich nicht in Ordnung.

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Es mag Vorlieben geben, die sich eher für künstlerische Darbietungen eignen als für ein „ordentlich geregeltes“ Beziehungsleben. Für diese Fälle wäre zu beachten, daß auch Künstler i.d.R. geliebt werden möchten und daß die Geliebten von Künstlern nicht notwendigerweise die größten Fans von deren Kunst sein müssen. Es soll sogar Pornostars geben, die, unabhängig von ihrem künstlerischen Engagement lieben und geliebt werden. Allerdings ist die Verwechslung eines „Resonanzgegenübers“ — also von Fans bzw. einem Publikum mit einem Liebes- bzw. Beziehungspartner — kein Privileg von Psychoanalytikern oder Exhibitionisten.

Symbiotische Fehlentwicklungen von kategoriellen Dimensionen („Groupies“) sind ebenso belegt wie individuelle Fehlgriffe in das und aus dem Lager von Bewunderern auf der Suche nach Liebe, Sex, Beziehung oder was auch immer. Die Menschen, die Micha Hilgers als Exhibitionisten beschreibt (soweit es sie so gibt, wie er sie beschreibt) weisen möglicherweise andere Beziehungsfähigkeitsvoraussetzungen auf als SadomasochistInnen, denen es nach interaktionsbegierigen Intimpartnern verlangt. „Pervers“ im Sinne von hoffnungslos oder nicht integrierbar muß niemand sein. Dennoch mögen sich die Wege unterscheiden, die ein Triebschicksal zu beschreiten hat.

Fortschritt in der Frage, woran denn nun die Qualität von Beziehungen, für die eine sexuelle Vorliebe funktional sein soll, meßbar ist, gibt es jedenfalls auch im weiteren Verlauf des Artikels nicht zu vermelden. Deswegen zur dritten Frage, die Micha Hilgers anbietet: »Besteht die Fähigkeit, Sorge oder Schuldgefühle in Bezug auf den anderen zu empfinden?«

Das klingt nicht nur plausibel, sondern ist auch klar zu beantworten. Und zwar nicht als Kategorie zu beantworten, sondern als Person, jede und jeder für sich. Und die Antwort sollte klar sein: Egal wonach eine sexuelle Vorliebe aussehen mag, egal wie drastisch sie daherkommt oder wie skandalös sie auf „neutrale Beobachter“ wirkt, egal wieviel Symbolik oder Rhetorik von Verachtung im Spiel (sic!) ist — eine Sorge um das Wohlergehen des Partners und eine präsent gefühlte Möglichkeit, auch am Partner schuldig werden zu können, bleiben davon natürlich vollkommen unberührt.

Der Volksmund scheint da schlauer als manche Wissenschaft zu sein, wenn er es gelegentlich zum höchsten der Gefühle erklärt, es jemandem „ordentlich zu besorgen“. So etwas ist kein Aufruf zur Gleichgültigkeit. Aber das dürfte eigentlich nicht mehr gesagt werden müssen.

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Die Meßlatte, die durch die Frage nach der Fähigkeit, Sorge oder Schuldgefühle aufbringen zu können angelegt wird, hat Gleichgültigkeit, Ignoranz, Zynismus zur Gegendimension. Haß dagegen ist oft keine sinnvolle Gegendimension zu Liebe, wenn der Kontext ein leidenschaftlicher bereits ist oder gerade werden soll. „A whisper of hostility“ gehört manchmal rätselhafterweise zum intimen Empfindungsmix dazu. Übrigens auch wieder fast schon unabhängig von der „Exotik“ der sexuellen Vorlieben. Es gibt Leute, die vögeln, da möchte man nach UN-Friedenstruppen rufen und es gibt SMer, die es an feinstofflicher Ausdauer bei der Wellness-Bondage mit jedem Tantra-Paar aufnehmen. Auch hier ist vor einer Irreführungswirkung des Augenscheins zu warnen.

Eine Fähigkeit, Sorge oder Schuldgefühle in Bezug auf den anderen zu empfinden sollte bei jeder Form von intimem Umgang von allen Beteiligten klar bejaht werden können. Alles andere ist in der Tat unverantwortlich. In der selbstorganisierten sadomasochistischen Szene steht das Wort „sane“ aus der Formel „Safe, Sane & Consensual“ für diese Forderung. Gleichgültigkeit oder ein Wille zur Schädigung wäre „Insane“, d.h. nicht bei Trost, um es vorsichtig auszudrücken. Auch diese ethische Forderung gilt unabhängig vom Grad der Exotik eines Treibens. Bei aller Feindseligkeit von welchen Sexualritualen auch immer, mit denen sich der „Perverse“ vergnügt, hat er auf sein Wohlwollen, seine Verantwortungsfähigkeit und seine Sorgfalt zu achten. Gleichgültigkeit, Desinteresse, Überdruß, sich angewidert fühlen sind als Warnsignale ernstzunehmen und keineswegs, z.B. aus Bequemlichkeit, zu ignorieren. Ein Intimwunsch nach Sequenzen von Verachtung oder Erniedrigung in einem „erotischen Umgang“ (um den Spielbegriff hier mal auszuweiten) muß im Sinne eines emotionalen Erziehungsziels klar unterscheidbar sein, von Vernichtungs- oder Schädigungsbegierden — und zwar völlig egal, wie die Kindheit oder sonstwas war.

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Die Antwort auf die psychoanalytischen Verdächtigungen der sadomasochistischen Intimdisposition als „pervers“ ist also keineswegs ein laissez-faire oder anything goes. Vielmehr kommt es bei jedweder Sexualpräferenz darauf an, mit ihr im Reinen zu sein, um mit ihr Intimität herstellen zu können. Nicht jede Intimität zielt auf Beziehungen und dies sollte auch kein zwangsläufiger Maßstab für eine Ethik von Intimität sein. Allerdings sollte soetwas wie Respekt und Solidarität schon auch gestiftet werden. Das wünsche ich mir jedenfalls für jede Begegnung, die so aussieht, als würde ich sie auch mir gerne gefallen lassen. Traurig ist es dagegen immer, wenn sich zwei Menschen nicht mehr in die Augen gucken können, nachdem sie beieinander Intimität gesucht hatten.

Hilgers faßt zusammen, und wieder bekommen wir es mit schlecht beobachteter Realität und zugunsten von Verdächtigungen verkannten Möglichkeiten zu tun: »Tatsächlich beinhalten Perversionen zumeist drei wesentliche Faktoren: ein zwanghaftes Ritual, von dem nicht abgewichen werden darf, um psychische oder sexuelle Erregung zu erzielen; ein reales oder fantasiertes Risiko, zum Beispiel erwischt, bestraft oder körperlich beschädigt zu werden; und Feindseligkeit gegenüber dem Sexualpartner.«

Das Ritual verkörpert die Bedingungen der Möglichkeit, die die jeweilige „perverse“ Praktik braucht, um erotisch und sexuell empfindungswirksam zu werden. Das Ritual ist, richtig verstanden, geradezu das Parade-Dementi der Verdächtigung, es ginge (pauschal) um „Verachtung, Herabwürdigung, zum Objekt degradieren“, etc. Das Ritual beschreibt die Umstände, unter denen etwas, das aussieht wie das Gegenteil von Wertschätzung, zu einer Ehrung wird. Was in der Praxis zu beobachten ist, ist, daß das rituell so umkehrungswirksame am Ritual oft formal etwas zu eng in einer bestimmten Detailform verkapselt ist. Die Entfaltung des rituell funktionalen Kerns eines Rituals kann dagegen sehr lustvoll und bereichernd sein.

Das mit der Feindseligkeit ist nach „Besorgungsdrang“ auf der einen Seite und nach Gleichgültigkeit bzw. Schädigungswillen zu unterscheiden.

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Bleibt Punkt zwei. Was ist mit dem Risiko? Risiko ist genau das falsche Wort. Wir haben es mit Erlebniswünschen und nicht mit Geschehenswünschen zu tun. Es gibt die Möglichkeit, daß ein Empfinden von Ungewissheit lustvoll erlebt wird. Risiken dagegen werden zunächst einmal überhaupt nicht erlebt, sondern denen ist man ausgesetzt, wenn sie bestehen. Um Ungewißheit lustvoll zu erleben, ist die Inkaufnahme eines Risikos die abenteuerlichste Möglichkeit. Um Ungewißheit lustvoll erleben zu können, muß man sie listig arrangieren. Etwas Selbstüberlistung gehört auch dazu, aber das machen wir ja nicht nur beim Sex, sondern auch sonst manchmal als bürgerliche Individuen. Da muß man sich halt etwas einfallen lassen, das „Ungewißheit“ schafft, ohne Schaden zu riskieren. Denn das Problem beim Risiko ist der mögliche Schaden und nicht die Ungewißheit. Und die Möglichkeit, Schaden zu nehmen oder anzurichten gehört als Tatsache zum Risiko, weil Möglichkeiten Tatsachen sind. Also gilt es Schaden und Ungewißheit zu entkoppeln, so wie es den erotischen „Whisper of hostility“ von einer bösartigen Haltung zu unterscheiden gilt.

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Unter dem Thema Masochismus diskutiert Hilges ausgerechnet einen solchen Spezialfall nach Punkt zwei. Der Fall ist interessant, aber innerhalb des klinisch nicht verzerrten masochistischen Spektrums eher randständig gelegen; doch gleichwohl: Wir erfahren von einer Frau, die ihren Partner »häufig subtil zu gewalttätigen Handlungen provoziert«, während dieser zugleich aber auch im Zaum gehalten werde — ohne daß ausgeführt wird, ob dies durch seine Skrupel oder Signale von ihr geschieht. Zwei Momente dieses Geschehens seien nun bei der Frau lustwirksam: Das, was sie abbekommt an Mißhandlungen oder Demütigungen führt »keineswegs zur Vernichtung der eigenen Person“. Andererseits, „wenn er hochgeht, macht er sich nur selbst lächerlich und zeigt, daß er in Wahrheit eine Flasche ist. [ ... ] Das Opfer erlebt sich so als in Wahrheit stärker«.

Da ist Hilgers ja an einen schönen „Sadomasochismus“ geraten. Eine masochistisch maskierte Kontrollstrategie zur Schikanierung eines Partners durch Provokation von unzulänglichen Repressalien bei dessen gleichzeitiger Plagung mit der Gefahr, sich in Unrecht und Lächerlichkeit zu setzen. Was Hilgers da schildert, kommt weit öfter unabhängig von besonderen sexuellen Bevorzugungen vor als unter Anhängern irgendwelcher speziellen Heftigkeitspraktiken.

In der Verfilmung von „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ agiert Elizabeth Taylor meisterlich dieses Spiel zwischen Zerstörungsverlangen und Indifferenz aus. Hierzu kann sehr kategorisch gesagt werden: Skrupel sind kein geeignetes emotionales Spielzeug. Wenn die Frau, wie Hilgers behauptet »Fantasien über die Kontrolle des eventuell sadistischen Partners begleiten« und so eine »Großartigkeit der eigenen Person« in den »ausgeübten masochistischen Praktiken« gesucht wird, dann läuft etwas gefährlich verkehrt.

Wenn die Frau Kontrolle ausüben möchte, muß sie sich ein Thema suchen, mit dem das geht. Wenn sie Kontrolle durch Versagung ausüben will, dann gibt es dazu auch Spielmöglichkeiten. Allerdings muß das „Sich-etwas-versagen“ beim Partner lustbesetzt und nicht etwa frustbesetzt sein. Sonst ist es „Mißbrauch von unten“ bis zu dem Zeitpunkt, zu dem sie das Opfer wird. Wenn die Frau sich, wie Hilges behauptet, ein Erleben von Großartigkeit in ausgeübten masochistischen Praktiken bereiten will, dann geht das natürlich nur über Praktiken, denen sie sich aussetzt und nicht über Praktiken, vor denen sie sich sicher weiß. Ein Triumphgefühl „davongekommen zu sein“ verhält sich zu den erotischen Möglichkeiten von Masochismus wie gezinkte Karten zu einer Skatmeisterschaft.

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Was Hilgers schildert ist ein „insanes“ Spiel zur Aufreibung sozialer Hemmungen. »Ich lebe mit einer Bombe« — so die Überschrift des Artikels in der FR — »sagt die in ständiger Gefahr schwerer Mißhandlungen lebende« Frau zutreffend von sich, und der Psychoanalytiker Micha Hilgers nimmt ihr das als „Masochismus“ ab. Gleich zwei Skandale. Die Frau benutzt „Masochismus“ (oder vielleicht nur eine gewisse Leidensbereitschaft) für ihr Spiel. Sie goutiert nicht Masochismus und sie agiert nicht Masochismus; sie kehrt eine trügerische Anmutung von Masochismus als Speck einer sozialen Handlungsfalle heraus. Ihr Partner sollte schnellstens die Flucht ergreifen, solange sie diese Masche spielt, egal ob er „Sadist“ ist oder nicht. Und sie müßte sich ein Spiel einfallen lassen, für das sie auf ein Gegenüber als Opfer verzichten kann und bei dem sie auch nicht selbst Gefahr läuft, Opfer zu werden. Wenn sie die Stärkere bleiben will, dann braucht sie einen Partner, der das geil findet. Solche Männer gibt es viele, nur muß sie nach diesen auch so suchen, daß die eine Chance haben, sie zu erkennen. Das ist schon recht anspruchsvoll. Nur wird ihr niemand weiterhelfen können, der ihre Masche für „masochistisch“ hält.

Am Ende seines Textes hält wieder die launische Realität bei Hilgers Einzug: »Auch kontrollierte Machtausübung durch Locken, Verführen und spielerisches Versagen belebt langjährige Partnerschaft. Das Ausmaß an einfließender Feindseligkeit bestimmt, ob Liebe in Perversion entgleitet, ob Leidenschaft durch ein gerüttelt Maß an Aggression erhalten bleibt oder Langeweile zwischen den Partnern ausbricht.«

„Wie wahr“ werden da vielleicht einige seufzen und den professionellen Skandal glatt überlesen. Der Begriff eines „Ausmaßes an einfließender Feindseligkeit“ legt den trügerischen Eindruck nahe, es ginge um etwas homogenes, was nur angemessen dosiert werden müsse. Diese Zurechtlegung verkennt genau die Natur des Problems. Es kommt darauf an, den thematischen und dramaturgischen Gehalt dieser Feindseligkeit handlungsermöglichend zu verstehen. Und diesen Gehalt kann man entfalten, wenn man die Rituale konstruktiv deutet. Dabei werden wir auf die Hilfe der Psychoanalyse allerdings wohl nicht bauen können.

 eMail an den Autor.

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Zuletzt geändert am 17. Februar 2005.
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