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„Was ist Konsequenz?
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Heute so, morgen so.“
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Essays

„Konsequent“

Eine nachdenkliche Polemik von SMash-Webmaster frank

DRUCKVERSION (Schwarzer Text auf weißem Grund)


„Konsequent“. Das Wort begegnet mir im BDSM-Kontext immer wieder. In persönlichen Gesprächen, Online-Diskussionsforen und, am häufigsten, in einschlägigen Kontaktanzeigen: „einfühlsam aber konsequent“. Gerne auch im Zusammenhang mit „Erziehung“ und „Abrichtung“ gebraucht und oft in direkter Nachbarschaft zu „Naturveranlagung“ zu finden.

Wie bitte? Geht’s auch etwas genauer? Wie sehr mir dieses Adjektiv, häufig mit forderndem Unterton vorgetragen, in seiner nachgerade blöden Undifferenziertheit und Beliebigkeit auf den Zeiger geht! „Konsequent“: in meinen Augen ist das inflationär benutzte Wort zur Hülse verkommen, die alles und nichts bedeuten kann — und die ebenso gnadenloser Parodie würdig ist wie das in mancher Migrantensatire unverzichtbare, ebenso hohle „konkret“. Voll kraß Dreiloch Alter, konsequent.

Eine Person, die „konsequent“ handelt, ja dies vielleicht sogar als Wesenszug innehat — wer wünscht sich solch ein Gegenüber nicht im Stillen? Aber was könnte nun genau damit gemeint sein, mit diesem „konsequent“? Ist es etwas anderes als eine maulfaule oder denkfaule oder phantasielose Umschreibung eines Konglomerats von differenzierteren Eigenschaften wie „in sich schlüssig (konkludent)“, „glaubwürdig (authentisch)“, „fortdauernd (konsistent)“, möglicherweise sogar „im Denken und Handeln selbstbewußt, kaum zu beirren, unnachgiebig“?

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Gibt es, vorangehende These einmal als „wahr“ angenommen, irgendjemanden im BDSM-Umfeld und anderswo, der/die auf eine solche „Konsequenz“ beim Gegenüber würde verzichten wollen, gleichgültig auf welcher Seite, in welcher Rolle dieses Gegenüber gerne steht, spielt, lebt? Ist das Wort somit also nichts weiter als ein Allgemeinplatz? Da ist noch etwas anderes:

Da wünscht sich in einer Kontaktanzeige also jemand, „konsequent“ behandelt zu werden. Auf Nachfragen kommt oft heraus, daß sich hinter dieser Formulierung sehr genaue Vorstellungen von der erwünschten Behandlung sowie mehr oder weniger präzise Rollenerfüllungsansprüche an das Gegenüber verstecken. Nun, daran kann ich nichts per se Verkehrtes finden. Doch warum werden solche Wünsche mit einem derart undifferenzierten Begriff maskiert? Kann das funktionieren?

Nach meinen Eindrücken hat sich die Bedeutung dieses Wortes „konsequent“ im BDSM- und besonders D/s-Kontext in die unterschwellige, häufig unbewußte Aussage verformt: „ich erwarte, daß du meinen Vorstellungen und Wünschen entsprichst, aber ich kann sie nicht formulieren“. Darauf und auf die damit verbundene Gefahr von Mißverständnissen und Enttäuschungen kann ich gerne verzichten. Ganz konsequent.

 eMail an den Autor.

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Zuletzt geändert am 21. August 2005.
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