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Essays

„SM und Feminismus —
ein persönliches Statement“

Ein Essay von SMash-Autorin Elli

DRUCKVERSION (Schwarzer Text auf weißem Grund)


Hin und wieder finden sich Texte, Themenabende oder dergleichen, die sich mit dem vermeintlichen Spannungsfeld von SM und Feminismus auseinandersetzen. Für mich ist diese Auseinandersetzung aus heutiger Sicht fast nicht mehr lohnenswert.

Nur historisch oder vor dem Hintergrund meiner, oder wie ich nicht selten mitbekomme, auch anderer Frauenbiographien, versuche ich mich daran zu erinnern, wie es eigentlich passieren konnte, daß eine Denkweise, die Emanzipation verspricht, mich kurioserweise mit und maßgeblich davon abhalten konnte, meine zahlreichen, tiefver-
wurzelten SM-Phantasien und -Bedürfnisse ausleben zu können.

Feministisch geprägte Denkweisen herrschaftsfreier(er) Lebenswelten wurden zu einer Art Bumerang, da fortan alles, was an einen Rückgriff auf unterdrückende Strukturen auch nur erinnerte — und SM ist dafür prädestiniert — tabuisiert werden konnte und damit einen Teil meiner Bedürfnisse, meine gesamte Sexualität diskreditierte.

Heute sind für mich mit Leichtigkeit zwei sich scheinbar widersprechende Lebensgefühle unter einen Hut zu bekommen: nämlich auf der einen Seite eine kritische Sicht auf traditionelle Geschlechterrollen, das Bedürfnis nach Selbstbehauptung wem auch immer gegenüber und auf der anderen Seite die tiefe Sehnsucht nach Unterwerfung, Selbstaufgabe und deren Inszenierung, um Erfüllung zu finden. Aber in Zeiten, als der mehr oder weniger stark empfundene Zwang zum Politischen auch vor den persönlichen Lebensentscheidungen und Gefühlen(!) nicht Halt machte, wünschte ich mir von tiefstem Herzen, daß meine Neigung und Phantasien (nicht im Sinne von naturgegeben!), über die ich niemals mit irgendjemand sprach, einfach eines Tages verschwinden, sich in Luft auflösen sollten. Es versetzte mich regelrecht in Schrecken, wenn ich nach autoerotischen SM-Sessions, wie ich sie natürlich heute erst nenne, wieder zu mir kam und überdachte, was ich da gerade mit mir anstellte und nur noch dachte: „so, das war aber jetzt das letzte Mal!“. Etwa so, wenn ich mir den Bauch voll schlage und mir nicht mehr vorstellen kann, daß ich je wieder essen würde.

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Natürlich bekam ich in Uni-Zusammenhängen Beziehungsideale und Tabus dogmatisch-feministischer Frauen hautnah mit. Als bisexuelle Frau mit einem Lebensgefährten war ich ohnehin schon in einer angeschlagenen Situation. Aber über Gewaltphantasien zu sprechen war ohne eine Rückendeckung für mich in dieser Szene undenkbar. Auch die feministische Therapeutin, zu der ich mich — nicht wegen SM — selber schickte, bestätigte eher intuitiv meine Vorstellung einer vielleicht ja doch heilbaren Perversion.

Jedenfalls bin ich es heute einfach Leid, den alten Argumenten auch nur noch Gehör zu schenken — von der Kollaboration- zur Unvereinbarkeitsthese, von PorNo- zu Gewaltdebatten — es ist zu meinem Glück, alles etwas einfacher geworden. Ich kann einfach endlich tun und lassen, was ich will und empfinde, von vielen Tabus befreit, meine eigene Befreiung durch die Lust an der (zeitweisen) freigewählten Unterwerfung vor dem Hintergrund eines Landes, das mir Freiheitsrechte garantiert.

Wende ich mich jedoch der SM-Szene zu, ist die Debatte dort nicht beendet (natürlich ebenfalls nicht in manchen feministischen Zusammenhängen). Reibungspunkte entstehen hie und da, wenn SM dazu benutzt wird, eine ganz normale Auseinandersetzung, einen kleinen Streit vielleicht in den Griff zu bekommen, wenn in Foren-Debatten oder persönlichen Stellungnahmen traditionelle Rollenmuster als die natürliche Form der Rollenverteilung aufgefaßt werden. Sicher war letztlich die Lektüre von Frauengeschichte oder die Erfahrung, z.B. Männer am Betreten einer Veranstaltung für Frauen massiv zu hindern ganz hilfreich, um heute einen kleinen Möchtegernpatriarchen, natürlich auch in der SM-Szene, in seine Schranken zu weisen.

 eMail an die Autorin.

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Zuletzt geändert am 17. Februar 2005.
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