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Essays

„Nur der Devote ist wirklich frei“

Ein Essay von SMash-Autorin Virginia

DRUCKVERSION (Schwarzer Text auf weißem Grund)


Eine sehr gewagte Behauptung, und für viele Menschen ein absoluter Widerspruch. Ich als „Spätzünder“ kann mich noch sehr gut an meine Empfindungen erinnern, wenn ich früher die Buchstaben „SM“ gehört habe. Mal abgesehen davon, daß ich vermutlich hinter der Abkürzung „BDSM“ noch vor einigen Monaten irgendein Computerteil, die Weiterentwicklung von ISDN oder DSL oder aber ein senegalesisches Autokennzeichen vermutet hätte.

Im Augenblick komme ich mir vor wie ein Mensch, der nach langer Zeit des Unverständnisses endlich eine Fremdsprache versteht und zu gerne möchte, daß all die anderen Menschen, die diese Sprache noch nicht verstehen, sie verstehen lernen. Weshalb sie die Sprache nicht sprechen wollen müssen.

In den letzten Monaten habe ich mich sehr viel mit der Frage beschäftigt, warum mir die devote Rolle gefällt. Wie ist das möglich, daß es gerade mir gefällt, mich zu unterwerfen?

Vor dem „Tag X“ war für mich klar, daß sich der devote Teil dem dominanten Teil unterwirft. Sowas kam für mich nicht in Frage. Ich wollte frei sein in meinen Entscheidungen, auch in sexueller Hinsicht. Soweit kommt es noch, daß ein anderer Mensch über mich bestimmt — wenn hier einer bestimmt, dann nur ICH.

Und heute kam mir die „vorübergehende“ Erkenntnis, die nicht stimmen muß, die ich eventuell in der nächsten Zeit revidieren werde, die ich aber dennoch niederschreibe. Denn sie vermag vielleicht einem „Normalen“ einen Blick ermöglichen auf die Sichtweise eines Menschen, der Gefallen findet an der devoten Rolle. Vielleicht vermag so ein Mensch der diese Sprache nicht versteht, den Reiz zu erkennen. Ich für mein Teil wäre froh gewesen, wenn ich früher solche Erklärungsversuche gelesen hätte, meine Entwicklung wäre vermutlich anders gelaufen.

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Warum ist nun meiner Meinung nach nur der Devote frei??

Kein Mensch ist wirklich frei. Ist auch nicht möglich. Man muß sich auch an Regeln halten, nur so ist ein Zusammenleben möglich. Wirklich frei ist allenfalls ein kleines Kind, nicht verantwortlich für sein Handeln, frei von Konventionen. Frei aber existentiell abhängig — das ist der Nachteil. Ein kleines Kind kann die Regeln der Gesellschaft, die Schamgrenzen, die Normen überschreiten ohne dafür verantwortlich zu sein. Es kann in der Nase bohren, rülpsen, Sachen durch die Gegend werfen, sich in der Öffentlichkeit ausziehen und sich sogar selbst befriedigen. Die irritierten Blicke der Öffentlichkeit müssen die Eltern ertragen. Und die schreiten dann auch ganz schnell ein und Kind lernt, daß es das eben nicht machen darf. Und Kind verinnerlicht diese Regeln in vollem Umfang. Kind wird sein eigener allerbester Aufpasser. Wir haben alle unseren Aufpasser ständig in uns und um ums. Denn wir sind erwachsene, vernünftige Menschen, die die Regeln der Gesellschaft kennen. Wir haben unseren Dom ständig in unserem Kopf, wir sind unser eigener Dom, den wir auch kaum loswerden. Was letzten Endes auch gut ist , aber im Falle des Auslebens der Sexualität hindert uns dieser innere Dom sehr oft am Fallenlassen.

Außer wir übergeben für eine gewisse Zeit die Macht an einen anderen Dom. Unserer innerer hat Pause. Wir sind nicht verantwortlich, wir müssen = dürfen Dinge tun, die unser eigener Kopfdom nicht zulassen würde. Auch wenn es schon viele Male geschrieben wurde, so betone ich es nochmal: Dies ist nur möglich, wenn der Dom bereit ist, diese Verantwortung für den Devoten zu übernehmen, und neben seinem eigenen Wohl und Vergnügen mindestens genauso das Wohl, die Sicherheit und die Lust des devoten Partners als Ziel zu hat.

Ich gebe zu, daß ich trotz aller Erkenntnisse noch nicht alles verstanden habe. Für mich ganz persönlich ist auch jetzt noch eine 24/7-Verbindung nicht vorstellbar. In meiner devoten Welt muß es einen Anfangspunkt und einen Schlußpunkt geben, und ich kann es durchaus auch genießen, Sexualität mit Verantwortung zu erleben. Zur Zeit bin ich der Auffassung, die Antwort ist nicht „entweder oder“ sondern „sowohl als auch“. Mal sehen!

 eMail an die Autorin.

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Zuletzt geändert am 17. Februar 2005.
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