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Essays

„Geschlechterbaukasten, weiblich“

Ein Essay von SMash-Gastautorin K1

DRUCKVERSION (Schwarzer Text auf weißem Grund)


Schönheitsoperationen sind in: hier eine Nase dran, dort eine Brust flacher. Klitorisvergrößerungen, alles damit wir unserem Normkörper näher kommen — als Vollweib. Auf der anderen Seite formiert sich eine Front der Dekonstruktion. Fotografin Krista Beinstein und Filmemacherin Monika Treut, Urgesteine der weiblichen SM-Szene, beobachten den Wandel. Auf der Suche nach den Übergängen zwischen Frau und Mann ... und einer Ausgabe der Brigitte gab es sogar ein Model mit Rhett-Buttler-Oberlippenbärtchen.

Drag King, Gendercross, Transgender, Androgynität. Der Bogen zwischen Frau bis Frau zu Mann hat viele Namen, wenn es um die Überschreitung geht. Testosteron macht den Übergang richtig möglich. Zwischen Frau-Frau und Frau zu Mann gibt es zahlreiche Spielformen. Manche überhöht das männliche Geschlecht durch Ausdrucksformen wie Bart und Anzug. Jenseits des biologischen Geschlechts (amerik. „Sex“) spielt hier für die Spielenden und Forschenden das persönliche und kulturelle Geschlecht (amerik. Gender) die Rolle, die sich das Subjekt auf die Haut schreibt. Was sind wir? Was möchten wir sein? Formen sind zahlreich, deshalb ein persönliches Statement, denn die Vielfalt soll facettenreich bleiben.

Mich wundert die Beliebtheit von Merkmalen wie Bart und Muskeln, weil sie mir als Geschlechterimitation erscheinen. Aber auch ich baue mir meine Identität gern zusammen, in dem ich in mich hineinschaue und spüre, wie sich mein Geschlecht anfühlt. Gern nehme ich mir einen Schwanz aus meinem Baukasten. Er fühlt sich gut an, wenn ich auf dem Weg zum Einkaufen bin. Schlecht fühlt er sich an, wenn ich im Second-Hand-Geschäft ein Kleid anprobieren möchte und meine Strap on lösen muss. Zu mir gehört ein Abwägen. Ich betrachte die Bauklötze in meinem Baukasten:

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Mit freiem Oberkörper bei der Feldarbeit. Für einen Mann üblich, aber für eine 19 jährige Frau unerhört. Mit 25 saß ich breitbeinig mit Wasserpfeife in marokkanischen Cafes und dachte dabei an Isabelle Eberhardt, die Anfang des letzten Jahrhunderts in Männerkleidern in Algerien lebte. Mit 29 trug ich zum Nadelstreifenanzug Glatze. Mit 35 liebte ich mehr und mehr die Lederhosen. Und heute liebte ich es, Männer mit Dildos zu ficken. Den Kerl bei den Schultern zu nehmen und ihn in Körper und Hirn zu dringen. Penetration ist wichtig, Fruchtbarkeit weniger.

Meine männliche Seite ist Schutz, aber auch Offenheit. Mich männlich zu kleiden gibt mir Schutz im Alltag. Sie signalisierte oft schon die Bereitschaft zu Teilnahme. Ich kombiniere gern Leder und meine knabenhafte Figur. Ich bin geschützt und provoziere. Ich fühle mich wohl mit der Uneindeutigkeit, in der ich mich immer wieder selbst bestimmen kann.

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Luxus und Gewalt: Doch ich begreife, daß es immer noch ein Luxus ist, dem ich mir leisten kann und darf. Meinen Schwanz sieht man in der Lederhose nicht und als Frau mit Hosen herumzulaufen, ist inzwischen seit Jahrzehnten akzeptiert. Innerhalb der Szene jemanden zu dominieren, was gemeinhin als männlich gilt, ist anerkannt. Sobald allerdings die Grenzen wirklich überschritten werden, wird Spott geerntet und noch stärker — Gewalt. Man ist nicht mehr e i n d e u t i g erkennbar, erzeugt somit beim Gegenüber Angst und im Extremen Gewalt. Die immer wieder in der Kulturgeschichte der Sexualität die Vergewaltigung war. Hier bleibt die Frau Frau und wird als solche auch erniedrigt.

Für Aug und Ohr (eine Auswahl):

Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter (Fischer Verlag)
Erzeugte in den neunziger Jahren eine Geschlechterdebatte
anhand des linguistischen Diskurses.

Susanne Schröter: FeMale. Geschlechterkonstruktion aus
historischer und ethnologischer Perspektive. (Fischer Verlag)

Venus Boys: ein Film von Gabriel Baur, Schweiz 2001,
Reise mit erstaunlichen Drag Kings und Mannfrauen

Boys Don't Cry: ein Film von Kimberly Pierce, USA 1999,
Drama nach wahren Begebenheiten. Teena Brandon, eine junge
Frau von 20 Jahren, zieht im amerikanischen mittleren Westen
in einen Ort, wo sie sich als junger Mann kleidete und ausgab.

Del Lagrace Vulcano: Sublime Mutations. (Konkursbuch Verlag)
Fotografien aus dem blühenden Zwischenland der Geschlechter.

Grace Jones, Annie Lennox: zwei Pop-Heldinnen meiner Jugend.

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Zuletzt geändert am 18. Dezember 2006.
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