SMash — die SM-Gruppe in Frankfurt am Main
 
„Voll im Dresscode ... ?“

Ein klärendes Wort von SMash-Webmaster frank

Eines der Themen, die in SM-Kreisen immer wieder gerne ebenso leidenschaftlich wie ergebnislos diskutiert werden, ist die bei Partys, Stammtischen und anderen Szenetreffen von den Veranstaltern durchgesetzte Kleiderordnung, altmodisch „Kostümzwang“, neudeutsch »Dresscode«.

Nun soll es hier nicht um Sinn und Unsinn einer solchen Verordnung gehen (die Geschmäcker in Sachen Kleidung sind ebenso verschieden wie die Gräben zwischen den Dresscode-Fraktionen tief — glühende Befürworter hier, erbitterte Gegner dort), sondern vielmehr um den überstrapazierten Gebrauch dieses Wortes, um seine Verwendung als Lehnswort aus dem englischen im Rahmen der deutschen Sprache.

Auch über das sinnvolle Ausmaß der Verwendung solcher, anderen Sprachen entlehnten Begriffe mag man streiten; was den korrekten Gebrauch dieses Fremdwortes angeht soll Thema dieses Artikels sein.

Ein Beispiel: Jemand fragt bei der SM-Gruppe seiner Wahl an, ob er/sie zum monatlichen Stammtisch denn auch »im Dresscode erscheinen könne«. Wären die angesprochenen Vertreter der Gruppe so pingelig im Sprachgebrauch wie der Verfasser, könnte die Antwort nur ein klares nein sein, gleichgültig wie ihre Erwartungen an die Kleidung der Besucher o.a. Szenetreffens aussehen. Denn die an sich unschuldige Anfrage des Interessenten enthält zwei nicht unerhebliche sprachliche Fehler.

Erstens: eine Kleiderordnung ist, nimmt man das Wort beim Wort, grundsätzlich keine „kann-Regelung“, sondern eine Bedingung. Existiert ein Dresscode für eine Veranstaltung, gibt es nur zwei Möglichkeiten — entweder man hält sich dran und findet Einlaß oder eben nicht. Keine Frage des Könnens sondern des Müssens.

Doch zweitens kommt’s noch dicker: der/die nichtsahnende Anfragende möchte im Dresscode erscheinen? Tut uns leid, aber unsere Kleiderordnung geben wir nicht her. Schon gar nicht, damit irgendwelche Gäste sie dazu mißbrauchen, ihre Blöße damit zu bedecken. Wie denn auch? Denn wörtlich übersetzt bedeutet obige Frage, ob ein Erscheinen »in Kleiderordnung« möglich ist. Möchte da jemand die Kleidervorschriften auf einen Stapel Papier ausdrucken, um sich daraus ein der Veranstaltung angemessenes Outfit zusammenzunähen (-heften, -tackern, -kleben)? Wohl eher nicht. Womit das zweite Lehnswort erwähnt ist, welches zum Geraderücken der etwas verdrehten Anfrage geeignet erscheint: das Outfit, auf deutsch „Kostüm“. Gibt es einen Dresscode? Kann ich im Outfit erscheinen?

Sollte also jemand wissen wollen, ob es auf dem SMash-Stammtisch einen Dresscode gibt: die Antwort lautet nein. Hingegen sind uns Besucher im Outfit — so es nicht zu offenherzig für eine öffentliche Kneipe ausfällt — jederzeit herzlich willkommen. Aber bitte kommt nicht »im Dresscode«. Den brauchen wir nämlich noch für andere Gelegenheiten. ;-)

eMail an den Autor: frank(at)sm-ffm.de


Adresse dieses Artikels: www.sm-ffm.de/schwarzessay-P-dresscode.htm
Copyright © 2004 SMash Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten.
Web: www.sm-ffm.de | eMail: info(at)sm-ffm.de | Tel.: +49-69/43 63 99