SMash — die SM-Gruppe in Frankfurt am Main
 
SMash-Essay: „Cross-Dressing“
— „Sweet Transvestite?“

von SMash-Webmaster frank

Frauen in Hosen sind eine Selbstverständlichkeit. Männer in Röcken ernten böse Blicke. Seltsam, oder?

Seit meiner Jugend beneide ich Frauen um eines: ihre Freiheit in Sachen Wahl der Kleidung und besonders um ihre äußerst vielfältigen Möglichkeiten, sich mittels ihrer Kleidung als schönes, begehrenswertes und auch erotisches Wesen zu zeigen. Und zwar öffentlich. Nicht bloß toleriert, sondern beklatscht und bestaunt:

»[ ... ] how i started to cry — ‘cause i wanted to be dressed just the same.« (Tim Curry als »Frank ‘n’ Furter« im Film »The Rocky Horror Picture Show«)

Ganz besonders hat es mir Nylon angetan: dieses seidenweiche, anschmiegsame transparente Material, das die Körperteile die es bedeckt zart und doch fest umhüllt, plastisch betont, sie gewissermaßen „hyperplastisch“ erscheinen läßt. Dieser äußerst reizvolle Kontrast und diese gelungene Gratwanderung zwischen Bekleidung und Nacktheit! Genau das wollte ich auch.

War ich nun zu neugierig für meine „Spaß-SM, aber devot bin ich auf gar keinen Fall!“-Schublade geworden? Oder war mein Geschmack, was Männer anging, einfach nicht Schubladen-kompatibel genug? Maliziös glitzernde Augen hielten wohl eher nach entzückender Devotheit Ausschau — und große böse Prinzen waren demnach kein Zielpublikum für frechsubbige Angebote aus meiner Schublade heraus, so anziehend ich die Prinzen auch finden mochte.

Und noch mehr: ich wollte Röcke, um mich auch so verführerisch schön, so erotisch und begehrenswert fühlen und darstellen zu können. Also begann ich bereits als Teenager, „den Frauen was zu klauen“. Ich fing an, Kleidung zu tragen, die nach kulturellem Konsens „eigentlich“ Frauen vorbehalten ist: Nylonstrümpfe und -Strumpfhosen, Röcke (je kürzer desto aufregender), elegante Schuhe mit Absätzen in nahezu jeder erhältlichen Höhe und seit einiger Zeit Korsetts, Bodys, Bolerojacken, ...

Lange Jahre habe ich mich nur heimlich so gekleidet, mit Furcht vor der Entdeckung. Meine erste eigene Wohnung als Student war eine Befreiung. Später folgten vorsichtige Versuche im Kreise der SM- (und Fetisch-)Szene, zu der ich mittlerweile gefunden hatte. Aber immer noch im Verborgenen.

Doch irgendwann hat mich der Neid auf die selbstdarstellerischen Freiheiten der Frauen in Sachen Kleidung in der Öffentlichkeit mutig gemacht: es folgte der Schritt auf die Straße, in die Öffentlichkeit. Zunächst noch mit sehr mulmigen Gefühlen und weichen Knien; später, als ich merkte, daß ich in meiner unmittelbaren Wohnumgebung außer ein paar schrägen Blicken nichts zu befürchten habe (im Gegenteil: die anerkennenden und manchmal auch bewundernden Blicke überwiegen, und die meisten schauen sowieso nicht hin) immer selbstbewußter und selbstverständlicher.

Trotzdem will ich in meiner Kleidung nicht als Frau erscheinen oder für eine gehalten werden. Ebensowenig wie ich in anderer Kleidung nicht bewußt als mann erscheinen will, oder ebensowenig wie eine Frau in Hosen als Mann erscheinen will. Ich mag für mich kein effeminiertes Verhalten, denn ich möchte nicht parodieren, möchte keine bestimmte Geschlechtsrolle annehmen, sondern mich einfach schönfühlen.

Ehrlich gesagt ist mir mein biologisches Geschlecht fast immer ziemlich egal. Desgleichen die Geschlechtsrolle. Bin ich Mann oder Frau? Keine Ahnung, und das ist mir auch nicht besonders wichtig. Zwar genieße ich einen Teil der Irritation, die meine Kombination aus Minirock und Glatze bisweilen auf der Straße hervorruft, aber das gefällt mir mehr wegen der Irritation selbst.

Ich träume von einer Zeit, in der es abgesehen von privaten, intimen Präferenzen wirklich vollkommen gleichgültig ist, für welches biologische Geschlecht („Sex“) und für welche Geschlechtsrolle („Gender“) sich jemand entscheidet. Bis es soweit ist, betrachte ich mich als „Cross-Dresser“ (und eben nicht als Transvestit, der eine Frauenrolle annehmen möchte) ... und betreibe mit Lust „Gender-Fucking“.

Geht es jemandem ähnlich? Oder ganz anders? Ich würde mich über Gedanken-, Erfahrungs- und Meinungsaustausch per E-Mail freuen!

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