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Buchkritik

beatriz preciado:
„kontrasexuelles manifest“

Sachbuch
b_books 2003
ISBN 3-933557-38-0
www.bbooksz.de

Rezension von SMash-Webmaster frank

 
Foto: Umschlag kontrasexuelles manifest „Kontrasexualität“? Die neueste Marotte aus Rom zur Rettung der Fortpflanzungs-
moral? Eine Kampagne für erotische Enthaltsamkeit? Im Gegenteil: eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Sex und Macht.

beatriz preciados „kontrasexuelles manifest“ ist ein heiteres, ernstes, theoretisches, praktisches, polemisches Pamphlet für die Befreiung von Naturalisierung, für die Infragestellung von Machtstrukturen in der Sexualität (Geschlechtsrollen, Beziehungsformen, Fortpflanzung) und wider die heterozen-

tristische Normierung zwischenmenschlicher Beziehungen. Hört sich kompliziert an? Ist es auch. Queer Theory und Mindfuck vom Feinsten.

Wie kommt es, daß sexuelle Exklusivität („Treue“) in unserer Zivilisation als Ideal und verbindlicher Maßstab postuliert wird? Wem nützt das? Woher kommt die Romantisierung und Naturalisierung von Geschlechtsrollen, ritualisierten Zweierbeziehungen („Ehe“) und erotischen Praktiken? Und wie kommt es, daß diese Phänomene offensichtlich in erster Linie dazu benutzt werden, um gesellschaftliche Herrschaftsstrukturen zu sichern?

»Das heterosexuelle System ist ein sozialer Produktionsapparat von Weiblichkeit und Männlichkeit, der mit Teilung und Fragmentierung des Körpers operiert. [ ... ] Rollen und sexuelle Praktiken, die dem männlichen und weiblichen Geschlecht als natürlich zugeschrieben werden, sind ein arbiträres Ensemble in die Körper eingeschriebener Regulationen, um die materielle Ausbeutung eines Geschlechts durch das andere zu sichern.«

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„kontrasexualität“ im Sinne der Autorin negiert nicht etwa sexuelles Erleben und zwischenmenschliche Beziehungen (wie der Titel suggerieren könnte), sondern fordert eine reflektiertere Haltung gegenüber Normen, die manchmal derart verinnerlicht sind, daß sie kaum noch (oder nicht mehr) wahrgenommen werden. Die dahinterstehende Absicht ist die Befreiung von Zwängen (Frauen und Männer müssen bestimmte Eigenschaften aufweisen, um als authentisch und „echt“ soziale Anerkennung zu bekommen) und die Schaffung größerer Auswahl und Entscheidungsfreiheit für Individuen:

»Um die traditionellen Begriffe von Sex und Geschlecht zu denaturalisieren und zu entmystifizieren, stellt sich die Kontra-Sexualität die zentrale Aufgabe, die Instrumente und sexuellen Apparate zu untersuchen und damit auch die Sex- und Genderverhältnisse, die zwischen Körpern und Maschinen entstanden sind.«

Das ganze ist ein wunderbar schräges Konzept und entlarvt die herrschenden Verhältnisse in der „normalen“ Sexualität als das, was sie vorgeben zu bekämpfen oder auszuschließen: als „pervers“ im Sinne von „verdreht“. Und fast schon nebenbei ist das Buch von einer sehr positiven Haltung gegenüber der Bewußtwerdung von Rollenmustern durch BDSM geprägt. Lecker!

 eMail an frank.

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Zuletzt geändert am 15. Februar 2005.
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